Geboren 1959 in der Kölner Südstadt … ›einst entsprossen lichtscheuem Rattengrund‹ … Im schlammigen Daseins-Verzweiflungsgrund tingelte der Desperado des Literaturorbits in den Achtzigern durch literarische Clubs und Kneipen, immer am Rande des Abgrunds. Um sich am Leben zu erhalten, schlug er sich mit verschiedenen Gelegenheitsjobs durch, sei es als Hausmeister in einem Bordell oder als Fabrik- & Lagerarbeiter. Zugleich bereiste er in seiner letztlich unergründlichen Art Deutschland und Frankreich und gab unzählige Lesungen.
Der erste Gedichtband »Tunnellicht« wurde 1982 veröffentlicht. Neben weiteren Lyrikbänden, wie »Sternenmilch«, »Vorwärts Abgrund« und »Omega«, publizierte er im Laufe der Zeit die Romane »Opus Nocentius« und »Die Besiegten«.
Anfang der Neunziger erlitt Gerry X einen körperlichen & geistigen Zusammenbruch und rief wie der Dichter Arthur Rimbaud einst aus: ›Merde poesie! Die Welt ist das Ungeheuer des Wiedergleichen. Nichts ändert sich … Wozu schreiben?‹ Fortan wollte er schweigen und sich für sich selbst aber auch für andere vergessen machen. Er ließ sein literarisches Dasein hinter sich und verbrachte die 90er Jahre damit, das ›Schweigen‹ zu erobern. Aber der Leitgedanke ›Genug ist nie genug‹ führte dazu, dass Gerry X nun zurückgekehrt ist & dem Schweigen erneut seine literarische Stimme leiht.
Noch immer ist Gerry X ein Nomade der Metropolen auf der Flucht vor der eingefleischten Angst. Mit seinem neuen Gedichtband »Nachtschweißgesänge« bricht der Wortkünstler sein jahrelanges, selbstauferlegtes Schweigen. Mit den Gedichten, die in letzter Instanz dem kosmischen Schweigen zugeeignet sind, aber sich selbst nicht mehr verschweigen können, lebt er die lautstarke Autopoesie der Sehnsucht nach dem immer undefinierbaren Anderen. ›Schweigen ist ein Schrei‹, so Gerry X.
›Der Poet macht sich sehend … Leiden, Wahnsinn; er sucht sich selbst, er erschöpft alle Giftwirkungen in sich, um die Quintessenz zu bewahren. Unsägliche Folter, wo er volles Vertrauen, alle übermenschliche Kraft braucht, wo er unter allen der große Kranke, der große Gesetzesbrecher, der große Geächtete sein wird und der höchste Wissende. Denn er kommt an beim Unbekannten!‹ Arthur Rimbaud
›Das X in meinem Namen steht für das Unbekannte in & die Reise zu mir. ‹, so Gerry X, ›X steht für die Unbekannte in einer Gleichung, X steht für Offenheit, X steht für das, was noch in Vollendung begriffen ist. X ist ein Symbol der faustischen Seele … All das haben wir noch gar nicht in Angriff genommen. X ist das wichtigste Symbol in der Zeichensprache der abendländischen Mathematik. X bedeutet Abschluß und Aufbruch vergangene Vergangenheit und mögliche Zukunft. X ist Ausdruck eines unbedingten Willens.‹
Für die Worte Gerry X gilt dasselbe, was Hesse über Hölderlin sagte: ›Er ist das Urbild des von Gott auserwählten und von Gott geschlagenen Dichters …‹.

