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M.P.: Eine neue Lesetour ist ebenfalls in Planung. Der Programmname »Eine Saison in der Hölle« lässt Vielversprechendes erahnen. Kannst du bitte etwas darüber erzählen, was den Zuschauer erwartet?
Gerry X: "Die Hölle erwartet ihn, der Sehnsuchtsschrei nach Liebe und einige bittere Wahrheiten ebenso. Und mein Amor Fati! Und das Ganze musikalisch und szenisch auf den Punkt gebracht. Ich stelle mir ein Leibseelen-Event vor. Für mich bedeutet die "Saison in der Hölle" die Preisgabe dessen, was ich zu wissen glaube. Die Texte & musikalische Einlagen werden sich ergänzen. Ich will der Lyrik wieder Leben einhauchen."
M.P.: Du kannst dir aber auch nicht verkneifen, bissige Statements zum aktuellen politischen Geschehen abzugeben oder kurze Geschichten aus deinem Licht- & Schattenleben zu erzählen …
Gerry X: "Ja schon, aber das ist meistens sehr spontan. Dergleichen plane ich nicht im Voraus."
M.P.: Wie wichtig ist dir Politik?
Gerry X: "So wichtig, dass ich die Politik unserer Politiker verhindern möchte und meine Zuschauer mit meinen spontanen Einwürfen quasi erwecken möchte, aber das wird wohl großenteils eine Illusion bleiben."
M.P.: Du liest nicht nur deine eigene Lyrik, sondern auch Charles Bukowski oder Dylan Thomas. Woher kommt der Wunsch, Bukowski & Thomas zu lesen?
Gerry X: "Oh, das ist mir, wenn ich das in meiner Sprache ausdrücken darf, eine Herzsprungangelegenheit. Bukowski hat mich zwar nicht zum Dichter gemacht, aber er hat mir damals, als ich als 19jähriger bei der legendären Lesung in Hamburg war, gezeigt, dass dies der einzig für mich gangbare Weg ist ... Dylan Thomas bedeutete mir, was Sprache letztendlich bedeutet. Insofern sind diese Lesungen Ausdruck meiner Dankbarkeit diesen großartigen Dichtern gegenüber."
M.P.: Am 28. Oktober findet deine nächste Bukowski-Nacht im Kölner Blue Shell statt ...
Gerry X: "Das Blue Shell in der Kölner Südstadt, da bin ich zu Hause! Das rundet mein Leben. Ich bin stolz darauf, im Blue Shell in der Südstadt zu Köln Bukowski lesen zu dürfen. Ich bin da einfach zu Hause …"
M.P.: Einige weitere Künstler werden an dem Abend im Blue Shell dabei sein. Kannst du uns bitte hierüber etwas erzählen?
Gerry X: "Sicher kann ich das. Zunächst wäre da Heidi ad Hoc, mit der ich schon einmal Bukowski gelesen habe. Das war so toll, dass man danach süchtig wird … Wir haben jetzt das Programm etwas erweitert, in dem wir auch Karl & Karla Bukowski mimen, ein versoffenes Proll-Paar, welches in gewisser Weise unsere Antwort auf diese Gesellschaft ist. Zynisch und bissig.
Was den Kölner Schauspieler Bernd Capitain betrifft, so hat er schon des Öfteren im Blue Shell Prosa von Bukowski gelesen. Der darf dabei einfach nicht fehlen.
Ein anderer Freund, der Peter Puhr, wird aus seiner eigenen, ganz persönlichen Sicht, über das Werk Bukowskis sprechen. Ich bin sicher, dass wir uns alle ideal ergänzen und dass es Bukowski zu Ehre gereichen wird."
M.P.: Wir dürfen also in nächster Zeit einiges von dir erwarten?
Gerry X: "Ja, ich denke schon. Und ich will hoffen, dass es einigen noch richtig weh tut, denn die Zweitauflage von »Nachtschweißgesänge« ist in Vorbereitung. Ende des Jahres wird »Chomskys Schweigen« erscheinen und Anfang 2008 beginnt die »Saison in der Hölle«. Außerdem denken wir darüber nach, meinen Roman »Die Besiegten« wieder zu veröffentlichen. Wir haben uns also einiges vorgenommen …"
M.P.: Vielen Dank für das interessante Gespräch.
Gerry X: "Dito"
Das Interview führte Michaela Paarmann.

