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Darin bin ich Avantgarde, oder Elite wie du es nennst. Gewiss müssen wir, und andere, denen wir erlauben uns zu ahnen, vorangehen. Aber in dieser verstunkenen Atmosphäre von Mittelmäßigkeit: von vermeintlichen Gleich/Mächtigen, Hurrademokraten, kann man unendlich den Asphalt ermüden, ohne jemanden zu begegnen, der auch nur Ansatzweise unseren großen Traum träumt. Vermutlich weißt du das besser als ich.
Wer wagt denn schon zu wissen, dass Erkennen schaffen bedeutet, wer will schon die Nähe von uns spüren, wir, die beständig neue Wahrheiten erfinden?
Was geht mich an, wer ich gestern war!
Ja, schaffen – immer umgestalten, neu gestalten aus der schöpferischen Machtfülle heraus. O! auch den Schmerz, der uns daraus erwächst, weil wir wissen, dass mehr WURM in uns ist als Höhe, mehr gähnender Abgrund als Tiefe; den Pulsschlag des kosmischen Flusses spüren, und aus Furcht und Ekel vor der Frucht, unsere Wurzeln sich nur fester in die Erde krallen. Wer will uns so wissen? In diesen Stunden gellt mein stummer Schrei durch die Nacht: Halte mich! Halte mich! - Kein Ohr, das meinen Verzweiflungsruf zu hören vermag.
Viele, allzu viele dieser Tage muss ich durchleben, zu oft der Jüngling, der am Baume gelehnt sitzt, sein. Da bin ich dann wie Bukowski: Bier, Wein oder sonst was saufen, in Unterhosen am Fenster stehend, darauf wartend, dass sich unten auf der Straße etwas sinfonisches tut …
Ja, du sagst es: dionysisch. Ich liebe in den Rausch im Denken, ebenso wie in der sinnlichen Leidenschaft. Ich LIEBE unbedingt – und ich sage: wer nicht für mich ist, der ist wider mich. Bah!
Gewiss, Masken trage ich im alltäglichen Grau und Grau, inmitten dieser gebeugten Sklavennacken, ist das auch unumgänglich: um zu überleben – es fällt mir aber immer schwerer.
Zur rechten Zeit zu sterben, setzt voraus, zur rechten Zeit zu leben, sagte Zarathustra – aber vom Letzteren bin ich Lichtmeilen entfernt - zu viele schlechte Kompromisse, zu viele billige Eitelkeiten, zu mächtige, bittere Furcht vor der Einsamkeit.
F.N. zu überwinden bedeutet: seine Philosophie zu leben, denke ich. Eben, sich das Maßlose als Maß nehmen. … Wie weit bin ich davon entfernt … wie weit … VERDAMMT!
- Diese Welt ekelt mich an. Dies ist meine Schwäche. Ich liebe den Krieg, wenn er von Kriegern geführt und nicht von Soldaten - letztlich bezahlten Söldnern, die Schlächtereien veranstalten: im Namen der Menschenrechte. Dies ist eine Welt ohne Ethos, eine Welt der Krämerseelen, die vermeintliche Menschenrechte auf ihre Tafel geschrieben haben, um das Dasein in ein jederzeit kündbares Vertragsverhältnis umzuwandeln. Zum Kotzen.
JA SAGEN! zu der ganzen blutigen Sinfonie, die wir Geschichte nennen? Zu dem wahnsinnigen Foxtrott der Evolution ? Zuweilen gelingt mir das, ja, in meinen stillsten, allerstillsten Stunden meiner schäumenden Seele. Man kann kein Jota von der Geschichte der Welt abziehen, wenn man das Dasein zu einem kultischen Rang erheben will. Aber es mangelt mir an Freiheit des Geistes. Dieser Kosmos ist ein Kunstwerk, aber bislang verstehen wir nicht unser Handwerk; Wir gestalten, schaffen, ohne kosmisches Bewusstsein; wir sind jenes gebeutelte, elende Schilfrohr, vom dem Pascal in seinen Pensées schrieb.

Die Menschheit braucht ein Ziel und große Menschen, denen die schöpferische Machtfülle eignet, dieses Ziel zu leben, die ordnende, kultische Kraft bedeuten.
Es hat Jahre gebraucht bis ich mich zu diesen Gedanken überreden konnte.
Ein Suchender ist doch nur ein sich selbst Fliehender, im Grunde wissen wir, was zu tun ist; doch mächtig waltet in uns der Herdeninstinkt, anders gesagt: der MASSENMENSCH.
Wir wissen um die Möglichkeiten unseres Daseins, weil dieser Kosmos begrenzt ist, weil er im Wiedergleichen atmet – unser höchstes Glück. Wenn’s anders wäre, wie hielten wir uns aus? Wie hielten wir es aus, den Nullmeridian des Nihilismus zu durchschreiten?
War es F.N.’s nicht vielleicht unausgesprochene Hoffung, dass der Übermensch der Dirigent der Feuerfluten sei, jener, der das Rad des Wiedergleichen aus seiner schöpferischen Machtfülle heraus stillstehen oder sich weiterdrehen lässt, oder gar zerbricht?! PUNKT OMEGA! Der Übermensch als kosmischer Dichter der beim Unbekannten anlangt? Oder sind wir doch nur … Figuren im Traum Gottes, die zu erraten suchen, wie er träumt … So ähnlich lautete doch eine nachgelassene Notiz von F.N.
Genug für heute. Ich sollte hier mal arbeiten. Dennoch werde ich alsbald versuchen zu verdeutlichen, was ich unter der Entregelung der Sinne verstehe.

 

Mit dionysischen Grüßen

Gerry

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