
Hallo Georg,
ich beginne mit einen Zitat:
Denn ICH ist ein ANDERER. Wenn das Blech als Trompete aufwacht, so ist das nicht im geringsten sein Fehler …
Die universelle Intelligenz hat schon immer ihre Einfälle ausgestreut, das ist natürlich; einen Teil dieser Hirnfrüchte lasen die Menschen auf: man handelte danach, man schrieb Bücher darüber: so ging das seinen Gang, der Mensch nahm sein Wesen nicht in Arbeit, er ist noch nicht erwacht, oder noch nicht in der Fülle seines großen Traums. Funktionäre, Schriftsteller: Autor, Schöpfer, Poet, dieser Mensch hat nie gelebt!
Die erste Aufgabe des Menschen, der Poet werden will, ist die volle Kenntnis seiner selbst, er taucht nach seiner Seele, gewinnt Einsicht in sie, erprobt sie, lernt sie kennen. Sobald er sie begriffen hat, muss er sie aufbilden. Das klingt einfach: in jedem Gehirn vollzieht sich eine natürliche Entfaltung; daher erklären sich so viele Egoisten zu Autoren; unter ihnen gibt es viele, die ihren geistigen Fortschritt SICH SELBST zuschreiben
Aber es geht darum, die Seele ungeheuerlich zu machen: nach Art der Kinderschänder, was! Stellen sie sich einen Menschen vor, der sich Warzen ins Gesicht pflanzt und großzüchtet.
Ich sage, es ist notwendig, ein SEHER zu sein, sich sehend zu machen.
Der Poet macht sich sehend durch eine lange, gewaltige und überlegte Entregelung aller Sinne. Alle Arten von Liebe, Leiden, Wahnsinn; er sucht sich selbst, er erschöpft alle Giftwirkungen in sich, um die Quintessenz zu bewahren.
Unsägliche Folter, wo er volles Vertrauen, alle übermenschliche Kraft braucht, wo er unter allen der große Kranke, der große Gesetzesbrecher, der große Geächtete sein wird und der höchste Wissende.
Denn er kommt an beim Unbekannten! Weil er seine schon reiche Seele weiter aufgebildet hat, weiter als irgendjemand sonst! Er kommt beim Unbekannten an, und wenn er überwältigt, damit enden würde, dass er sein Verständnis seiner Visionen verliert, so hat er sie doch gesehen! Mag er auch zerrissen werden bei seinem großen Satz durch die unerhörten und unsagbaren Dinge: Kommen werden andere furchtbare Arbeiter; sie werden dort weiter machen, wo der andere an seine Grenzen kam.
Von :Arthur Rimbaud, Brief eines Sehers.
SIC! Das ist es, was ich versuche. Das Feld des Unbekannten abzustecken, ein Vervielfältiger der Veränderungen zu sein - jene Heiligtümer in mir, das ach! gar so Selbstverständliche zu zerstören: meinen Geist vom Plump und Tand aller Vergangenheit zu befreien, Entitäten, Wesenheiten usw. zu verflüssigen. Das im Zeitelement kristallisierte Sein aufzubrechen.
Das Leben ist Wille zur Macht: nie erfuhr ich mich anders, immer diese gestaltenden, sich widerstreitenden, anziehenden, abstoßenden, temporär sich vereinigenden Kräfte. … Die Hand des Windes im Baume … Es gibt keine Dinge, nur Beziehungen von Beziehungen und Verhältnisse der Beziehungen von Beziehungen. Wirkungen, die Wirkungen bewirken oder wie F.N. sagte: Wille kann nur auf Wille wirken. Wille zur Macht nennen wir diese kosmische Flut, die uns in jeden Augenblick durchströmt … ob wir es wissen oder nicht.
Und ich will der Dirigent dieser kosmischen Flut sein, oder doch wenigstens das wohlgeformte Flussbett dieses glühenden Stromes.
Die Welt ist Vision, aber wir sind, wie Rimbaud sagte, noch nicht in der Fülle unseres großen Traums erwacht. Dichtung ist kein freier Eintritt durch die Sinne, sie ist der gespannte Wille zur Macht Sprache, die von Seele zu Seele reicht; sie fasst alles zusammen: „Düfte, Klänge, Farben; Gedanke, der das Denken an sich zieht und auf seine Bahn bringt.“ (Rimbaud.)
Der Übermensch ist für mich der Dirigent der Feuerfluten ewig Gestalten schaffend, und sie wieder vernichtend: Werde und stirb.
Kein Gedanke...,
Ob von hehrer Vernunft erfunden,
Oder vom wilden Irrsinn gepeitscht,
Der mich noch nicht dachte;
Kein Gefühl,
Ob lau
Oder flutend,
Das mich noch nicht fühlte.
Ich atmete schon
Wie eine Ratte,
& empfand auch schon
Wie ein Hund,
So manches Mal.
Ich spürte oft
In meiner Brust
Schlagen,
Das massige Herz,
Des Leviathans.
Des wahren Herrn,
Der Erde.
Ich bin auf allen
Kosmischen Wassern gefahren!
Ich schmeckte alle sieben Einsamkeiten …
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